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Eine Hommage an das Leben der Bergler

Filmemacher Cyrill Schläpfer zu Besuch in Meiringen

Starke Musik und grandiose Bilder prägen den Film UR-Musig, der am Sonntag im Kino Meiringen zu sehen war. Filmemacher Cyrill Schläpfer spielte zur Einstimmung mit seinem Trio im Restaurant Alpbach – ein Augenblick, in dem sich gefilmte Welt zur Echtzeit wandelte.

Ein Mann der grossen Worte ist Filmemacher Cyrill Schläpfer nicht. Etwas verloren stand er am Sonntagnachmittag vor dem Mikrofon im Kino Meiringen und suchte nach Worten. Hinter einem Film wie UR-Musig einen grossen Redner zu erwarten, wäre ein bisschen vermessen gewesen, kommt doch der Film sozusagen ohne Worte aus. Keine Erklärungen, keine Untertitel oder Kommentare – nur Musik und Bilder. Cyrill Schläpfer schuf seine Hommage an die Schweizer Musik, an das urtümliche Leben in den Bergen, mit einer Sprache, die mitten ins Gemüt trifft. Er mixt Landschaften voller ursprünglicher Kräfte mit Bildern von Menschen, deren Gesichter von den Launen der Natur gezeichnet sind. Dazu ertönen Klänge, die seit jeher das Leben dieser Menschen prägen.

Vom Film zur Echtzeit

Die Begegnung mit dem Regisseur in Meiringen zeigte, dass er selber in der ur-schweizerischen Musik stark verwurzelt ist. Schläpfer ist nicht nur Beobachter, sondern auch Akteur. Zusammen mit seinen Musikerkollegen Koni Inderbitzin und René Widmer spielte Schläpfer vor der Filmvorführung im Restaurant Alpbach. Die gefilmte Welt von UR-Musig verwandelte sich während dieser Stunden zur Echtzeit. Schläpfer, der beim legendären Innerschweizer Schwyzerörgeler Rees Gwerder Unterricht erhalten hatte, und sein Trio folgten den Spuren des verstorbenen Lehrers. Ihr Spiel zeichnet sich durch seine gänzlich unspektakuläre Art aus, wirkt dafür aber umso echter und eigenwilliger. Diese Kraft spricht auch aus dem Film.

Grosserfolg in der Stadt

Cyrill Schläpfer ist mit einer fantastischen Kompromisslosigkeit dem Echten auf der Spur. Damit schaffte er das Unerklärliche: In einer Grossstadt wie Zürich lief UR-Musig zweieinhalb Jahre lang in den Kinos als Matinée. Die Städter interessierten sich plötzlich für das, was sie gemeinhin als rückständig bezeichnen, und sie begannen von einer Welt voller Musik, Kühen und Bergen zu schwärmen. Die Filmaufnahmen aus den Jahren 1989 bis 1991 (Premiere 1993) stammen aus der Innerschweiz und dem Appenzellerland. Die Bilder dokumentieren das ungeschminkte Leben in den Bergen, zeigen die harten und die fröhlichen Seiten, die Verbundenheit von Mensch und Tier und die Musik, die daraus entspringt. UR-Musig ist aber nicht verklärend oder romantisierend, sondern zeigt das ländliche Leben aus einer sehr intimen Perspektive. Zu den ganz besonderen Momenten dieses zweistündigen Streifens gehören die Aufnahmen der Gebetsrufe. Es mutet sehr exotisch und fremd an, wenn ein alter Senn im letzten Abendlicht auf einer Alpwiese steht, die Hände zum Trichter formt und alle möglichen Heiligen dieser Welt um Wohlwollen bittet. Es ist, als würde dieser Mensch aus einer anderen Welt kommen – sie liegt aber nur wenige Kilometer entfernt.

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