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Interview mit Cyrill Schläpfer, Loop 5. 2008

Über die Waldstätte

Es gibt schon mechanische Ballette und Synfonien für Schreibmaschinen. Dampfschiffe sind aber eine Nummer grösser. Wie kam es dazu?

Meine Vorgehensweise unterscheidet sich von einer Symphonie für Schreibmaschine: Ich arbeite im Auftrag der Töne. Ich bin Komponist im Dienste der alten Schiffe, ihre Dampfmaschinen, die Glocken und des Wassers. Der musikalische und emotionale Gehalt ihrer Töne haben mich inspiriert, sie neu zusammenzusetzen, zu kombinieren.

Mich interessieren nur Töne, die eine Art Seele haben und in einem Raum erklingen. Jede Kirchenglocke hat eine Seele oder auch das Rattern eines alten Schilter Trakor-Motors, der sich am Berghang abgerackert hat. Jede beliebige Sekunde Vogelgezwitscher, irgendwann und irgendwo ist einmalig und original.

Deine Vorgehensweise mit den Tonaufnahmen an allen erdenklichen Orten, über und unter dem Wasser, an Land oder auf dem See, erinnert mich an den jungen Boris Blank, der auch viele Sounds aufgenommen in der Natur aufgenommen hat. Fühlst du dich wie ein Pionier?

Nein, eher wie ein Stauner oder Bewunderer.

Man kann die Waldstätte auch als akkustisches Lexikon des Vierwaldstättersees bezeichnen. Viele deine Veröffentlichungen habe lexikalischen Charakter wie die Swiss Kult Hits. Was reizt dich an dieser speziellen Art von Veröffentlichungen?

Diese Arbeit als Archivar reizt mich im Grunde genommen gar nicht; sie muss einfach getan werden. Das Spielen damit und neu arrangieren hingegen macht Spass.

Über die Musik

Unterscheidest du zwischen Geräuschen und Musik?

Ja! Ich versuche diesen Unterschied anhand eines Beispiels zu erläutern: Ich betrachte das natürliche Rauschen in einem schönen Blätterwald nicht als Musik (übrigens kein Musiker wäre imstande, je so ein schönes Werk zu komponieren). Aber angenommen, ein Mensch wuerde ueber sehr viele Jahre hinweg, an einem bestimmten Ort, speziell ausgewählte Baumsorten mit ganz unterschiedlichen Laubqualitäten anpflanzen; und macht dann viele viele Jahre später von seinem Baumgarten eine Tonaufnahme, vielleicht würde er dies sogar bei spezifischen Windverhältnissen und Jahreszeiten tätigen: dann bezeichne ich dies als Musik. Genau das ist die entscheidende Frage: wann wird aus Geräuschen Musik? Dieser Prozess kann sehr lange dauern, oft gelingt es nicht…

Was ist für dich Musik. Du warst Schlagzeuger und spielst nun Schwyzerörgeli. Das ist für manche Person ein überraschender Weg.

Das ist kein Bruch für mich. Musik bereitet am meisten Spass, wenn man sie macht, resp. spielt. Meine vorangehenden Bands hatten leider nicht die Langlebigkeit und die vielen Auftrittsmöglichkeiten wie die Rolling Stones... Mit meinem Schwyzerörgeli gehe ich rüber in die Kneipe und spiele einen Tanz.

Du nennst Rees Gwerder einen Schweizer Blueser.

Dies ist der amerikanische Ausdruck für einen Musiker, der ehrliche Musik macht, welcher der Tradition seiner Vorgänger, seiner Arbeit, seinen Emotionen, und der Landschaft, in welcher er lebt, verbunden ist.

Bei Christine Lauterburgs Platte Echo der Zeit schimpfte der Jodlerverband, dass dies keine Kultur wäre. Treffen dich solche Vorwürfe oder sind sie Ansporn für dich?

Diese Aussage ist eine reine Erfindung der Schweizer Medien, weil sie schlagzeilen- und auflagegeil sind. Es trifft aber zu, dass die Lauterburg vor fast 20 Jahren von den Folkloristen ignoriert wurde. Die Jodel-CD „Echo der Zeit“ ist keine Volksmusik, sondern sie spielt mit den musikalischen Clichés dieses Genres.

Die Jodlerkreise haben sich damals genervt über das exaltierte Auftreten der Lauterburg. Heute, 2008, sind auch die Jodler aufschamponiert und die Jodlerinnen haben Zungenpiercings (...jetzt können sich meinetwegen die Punks aufregen).

Mich freut’s auf jeden, dass diese Produktion ein „Klassiker“ geworden ist.

Über die Swiss Kult Hits

Für die Swiss Kult Hits müsste man dich adeln. Was war dein Bezug zu den Musikern auf den beiden Complations?

Danke für die Blumen! Mein Co-Produzent Bruno Stettler und ich, und bei SKH Vol.2; Bruno Waser, kennen die meisten der Bands und Musiker persönlich oder wir sind Fans von denen.

Gibt es mal ein Vol. 3? Oder ist der Markt mit den diversen Best-of Alben gesättigt.

Nein! Der Markt ist nicht übersättigt; er ist verstopft und tod wie eine Kloake.

Freut es dich, dass der Eicher und die Swiss den Campari Soda singen bzw. für die Werbung verwenden?

Diese Frage müssen Sie Dominique Grandjean stellen. Wenn ich als Verleger dieses Songs an dieser Tatsache keine Freude hätte, so hätte ich den falschen Job.

Über CSR Records

Wie kam es zur Labelgründung, nachdem du bei EMI gearbeitet hast?

Ich hielt es dort nicht mehr aus...reine Überlebensstrategie.

Mit deinem Label hast du erfolgreich eine Nische besetzt. Spürst du die Marktturbulenzen?

Ja, sicher!! Doch hier sprechen wir nicht von einer Turbelenz, zZ ist dies ein Markt-Tsunami der Musikbranche.

Mit Mady hast du eine Rumänsiche Musikerin unter Vertrag. Wie kam es dazu, sonst hast sind ja Schweizer Musiker bei CSR Records.

Das ist wie in der Liebe: es geschah im Ceaucescu Palast in Bukarest... Und wer will schon nicht Popstar werden?

Was spornt dich an, trotz den finanziellen Risiken konsequent deinen Weg zu gehen?

Ich will am Morgen selber bestimmen, wann ich aufstehen will....

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