| Schau dir die Schweiz von oben an | |
| Christian Seiler : 03.03.99
Zeichne mit dem Finger den Alpenbogen nach. Drück den Daumen auf die Seen. Zupf den Bergen das Gipfelkreuz von der Stirn. Tu, was du willst, aber vergiss nicht, dir noch einen Campari Soda zu bestellen. Campari Soda, das ist eine sentimentale Chiffre. Du sitzt im Flugzeug, unter dir das Nebelmeer, und träumst vom Irgendwohin-Gehen und nie mehr zurückkommen, du stellst dir dich selbst ganz stabil hier oben vor und dort unten alles, nur nicht die Schweiz. Das ruft nach einem Getränk. Du entscheidest Dich für eines, das heute, im Zeitalter der allgegenwärtigen Exotik, keinem Menschen mehr einfallen würde. Und dann bestellst Du noch einen Campari Soda: "Es isch als gäbs mich nümme me..." Aber Du kriegst aus Deiner Sehnsucht die Sprache nicht raus; du fühlst im Moment des Aufbrechens am deutlichsten, wo du geerdet bist; das verbindet dich nicht nur mit dem Eröffnungstitel dieses Albums, der nach dem merkwürdigen Getränk heisst (- einem der sinnstiftendsten Schweizer Popsongs aller Zeiten, danke Taxi! - ), sondern mit fast allen Titeln, die hier dem Anspruch gerecht werden (müssen/sollen/können), Gegenstand kultischer Zuwendung zu sein. Die Aufbruchbereitschaft ist das Leitmotiv dieser Sammlung von (grossen und kleinen, bekannten und heimlichen) Hits. Das ganz und gar urschweizerische Ich-will-weg-von-hhier (zuletzt im Patent Ochsner-Heuler "Bälpmoos" so berührend verdichtet) wohnt diesen Songs inne. Nein, es geht nicht um den Begriff Heimweh, den die Popfraktion umgedreht hätte wie einen Handschuh, es geht um das Sprengen von Grenzen, von Formen, von Konventionen, von Selbstverständlichkeiten. Diese Aufbruchsbereitschaft hört sich dann so an wie das Schlagzeug auf Züri Wests I schänke Dr mis Härz: flirrend, nervös, ganz gegen Züri Wests berntrockenden Wumm-Sack-Rhythmus (und damit auch gegen Züri Wests eigene Erfolgsgeschichte); da sind die Grenzen zwischen Folk, Erzählung, Wimmergitarre und HipHop sehr selbstbewusst überwunden worden, ausgerechnet hier. Sie hört sich so an wie der auf geradezu lächerliche Weise künstliche Synthi-Sound von Stephan Eicher, wenn er Les Filles de Limmatquai besingt - und von dort bekanntlich eine ganz andere, musikantische Chansonnierkarriere gestartet hat; der Song taugt also nicht nur als schweizerische New-Wave-Emblem, sondern auch als Erinnerung an die Startrampe eines der wahrscheinlich plattenverkaufendsten Schweizers der letzten Jahre. Es mischen sich die Motive. Wenn Touch el Arab ihre Lederkluft aus dem Kasten zupfen und (Muhammar) diese merkwürdige Haltung aus Technobeats und orientalischer Anmutung einnehmen, fällt ein exotischer Sonnenstrahl ins Land. Wenn The Young Gods die Existenzfrage Did You Miss Me stellen, ist die Dunkelheit des (Gary Glitter-)Songs weltumspannend und undurchdringlich. Wave, Underground, Kasperlitheater, Tanzboden; kein Fundament, das Schweizer Pop-Innovatoren nicht als Absprungrampe benützt hätten. Ja, selbstverständlich hat Baby Jails Tubel Trophy aktionistische Qualitäten; leistete Eisbär von Grauzone die Propagandaarbeit für eine ganze, unzufriedene Generation; koppelten die genialischen Burschen von Stiller Has Unsinn, Wut und Depression in drei Minuten lange Klangpillen wie Moudi; überspannte Christine Lauterburg den Bogen zwischen Jodlerverband und Gegenwart und postulierte lächelnd, groovend Tanz Tanz!. Schau dir die Schweiz von oben an. Mach die Augen zu, hör, wie Mani Matter deine Sprache in ihre Benstandteile zerlegt, poliert, neu zusammensetzt: plötzlich fehlt ihr die Härte, das Knorrige, der Firn. In Hemmige formulierten sich die Strophen der Geschichte wie von selbst: eine musikalische Kreidezeichnung; wenige Striche, ein komplettes Bild. Kaum je ist im Popzeitalter so sanft gedichtet worden wie vom Ferrarifahrer Matter. Keiner hat mit dem Vokabular der Schweiz eine so neue poetische Welt entstehen lassen und keiner hat die dafür notwendigen Widersprüche plakativer verkörpert (ganz richtig, dass die musikalisch avancierte Familie Trüeb-Version von Matters Ballade vom Dällebach Kari auch auf diesem Album zu finden ist: die Musik ist beschwingter geworden, die Geschichte hat nichts an Wirkung eingebüsst). Mach die Augen wieder auf. Der Alpenbogen. Die Seen. Der Flughafen. Nimm noch einen Campari Soda. Bald wirst du gelandet sein. |
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| Der Moudi trinkt Campari Soda | |
| sfd : Der Zürcher Oberländer, 24.03.99
Swiss Kult-Hits 1970-1996: Innovative Wegbereiter des CH-Pops Der gegenwärtige Erfolgsschub der schweizerischen Popszene wäre undenkbar ohne Leute wie Mani Matter oder Stephan Eicher, ohne Bands wie Taxi, The Young Gods oder Grauzone. Der Sampler „Swiss Kult-Hits 1970 - 1996" versammelt 16 der innovativsten Wegbereiter des CH-Pop. 1970 war's, als sich Mani Matter mit „Hemmige" in die Herzen der aufgeschlossenen Schweizerinnen und Schweizer sang. 1994 war's, als Kuno Lauener - völlig enthemmt - dem halben Land sein „Härz" schenkte. Knapp 30 Jahre liegen dazwischen. Eine Zeit, in der sich die populäre Schweizer Musikszene vom Mauerblümchendasein zum lukrativen Marksegment entwickelte. Cyrill Schläpfer, Musiker, Filmer und Plattenproduzent, hat diese Entwicklung hautnah miterlebt. Mit seinem Sampler will der in Zürich lebende Innerschweizer zeigen, „dass die Schweiz den Trends nicht immer ‚hindenache' hinkt, wie oft behauptet wird, sondern sehr wohl innovative Bands hervorgebracht hat, die bestehende Musikgenres um neuartige Klang- und Sprachmuster erweitert haben." Bekannte und geheime Hits Jeder der 16 Sampler-Tracks ist ein solch formaler Vorreiter, der die Schwingungen neuester Trends frühzeitig ins helvetische Popgut integrierte oder gar selbst Neues, bislang Unerhörtes schuf. Die einen wurden zu grossen, allbekannten Hits, andere blieben Geheimtips, welche die Indie-Szene aufwühlten. Typischstes Beispiel eines Sowohl-Als-auch-Kulthits ist „Campari Soda" von Taxi (1977). Die zarte, scheppse Ballade über den Traum vom Fliegen und Fliehen gilt als absoluter Meilenstein des Neuen Schweizer Pop. Erstaunlich ist, dass die eigentliche Eintagsfliege (Taxi lösten sich nach einem Album wieder auf) bis heute in aller Ohren und Munde ist - und wohl auch bleibt... Techno, New Wave und Ethno Geradezu stilbildend waren Bands wie Touch el Arab („Muhamar", 1987), mittageisen („automaten", 1984) und natürlich The Young Gods („Did You Miss Me", 1985), die mit visionärer Sampling-Technik und futuristischen Loops den modernen Techno vorbereiteten. Oder Stephan Eicher, der mit Grauzone („Eisbär", 1980) die Neue Deutsche Welle adaptierte. Zwei Jahre später lieferte er mit „Les filles de Limmatquai" einen der wichtigsten Schweizer New-Wave-Hits. Aus neuerer Zeit sind unmittelbare Vorboten aktueller Hitparadenstürmer vertreten wie die wirbelnde Volksmusik-Dancerin Christine Lauterburg („Tanz Tanz!", 1994), die Zürcher Szene-Band Baby Jail („Tubel Trophy", 1992), Berns Blues-Troubadouren Stiller Has („Moudi", 1996) und natürlich Züri West („I schänke Dr mis Härz", 1994). Lesenswertes Booklet Das Booklet ist für einmal nicht nur hübsch designtes Beigemüse, sondern ein lesenswertes Kompendium. Sämtliche Bands und ihre Songs werden nämlich in Text und Bild sowie mit interessanten Hintergrundinfos vorgestellt. Auf die Frage, warum er, der sich ansonsten um die Imagepflege schweizerischer Volksmusik kümmert, auf die Idee gekommen ist, einen Pop-Sampler zu lancieren, meint „Ur-Musiger" Cyrill Schläpfer schmunzelnd: „Mein Label ist eben den schweizerischen Traditionen verpflichtet." Doch dann liefert er zwei stichhaltige, überzeugende Gründe: Es sind 16 gute Songs von ausnahmslos wichtigen Bands und Interpreten. Viele davon sind im Handel nicht mehr erhältlich; dies wollte ich ändern." Schön, zumal der Sampler den vielversprechen Zusatz „Vol. 1" trägt. |
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| Ruth Metzlers verpasste Jugend | |
| Thomas Haemmerli : SonntagsZeitung 28.03.99
Was die «Hoffnungsträgerin der Jungen» nicht hören wollte: Die CD «Swiss Kult Hits» bringts nochmals Von Ruth Metzler wollten wir nach ihrer Wahl wissen, was ihre Jugend ausgemacht habe. Dann fragten wir uns selbst: Antwort fanden wir in drei CDs und einem Buch. Wer um 1960 geboren ist, sieht sich zurzeit mit der eigenen Jugend konfrontiert, die allerorten rezykliert wird. Mit einer Mischung aus Amüsement und Schaudern sieht der Sechzigerjahrgang Klamotten-Marotten wieder auftauchen, denen auch er einst obliegen zu müssen gemeint hatte. Vom Couturier veredelt marschiert billiger Discoschick über die Laufstege, der Look von Grace-Jones hat ein Comeback - und: Cool ist 1978! In Bahnhofsnähe lümmeln plötzlich wieder Punks herum, und behördliche Entschlossenheit demontiert in Zürich die Parkbänke: Penner verpisst euch, niemand vermisst euch! Den 1964-er ficht das nicht mehr an. Er ist von Lebenserfahrung gegerbt, hat es zu etwas gebracht, hat Kinder oder einen Kleinkredit am Hals, ist gerade Bundesrätin geworden oder gehobene Schreibkraft bei der SonntagsZeitung. Als solche sitzt man mit Metzlers Ruth beim Interview und forscht nach Gemeinsamkeiten, fragt nach Generationstypischem, bohrt nach Jahrgangsspezifischem, nach Identitätsstiftendem. Der Jahrgangsgesponsin und Bundesrätin fällt nur Abba ein. Und dass der Bruder mit AC/DC rumgenervt habe. Die Schreibkraft trollt sich und denkt: Was für eine Jugend Frau Metzler auch immer vertritt, meine ist es nicht. Meine Jugend ist «Willy Ritschard», wie mir die CD Swiss Kult Hits diese Woche in Erinnerung gerufen hat. Willy Ritschard war 1982 eine oberschräge Ska-Nummer der Zürcher Band Hertz, mit dem Refrain: «Willy Ritschard, Sohn des Ernst und der Anna Ritschard, volksnah, Sozialdemokrat, liebt das Wandern, liebt Gespräche.» Nach dem Furor von Punk brachten Songs wie dieser eine neue Befindlichkeit auf den Punkt: Alles wurde ziemlich ironisch, und im philosophischen Seminar begann man gerade von der Postmoderne zu schwadronieren. Das ist passé, aber Willy Ritschard hält bis heute. Genauso wie Campari Soda von der Hertz-Vorgängergruppe Taxi: Sehr entspannt, fast schon Zen, ein wenig Klavier, ein Saxofonsolo (kam immer gut) und der Flugzeugtext: «Ich nimä no en Campari Soda, wiit unter miir liits Wolchemeer, de Ventilator summet liislig, es isch als gäbs mich nümmemeh.» Campari Soda war lange vergriffen (Auflage 600 Stück), war oft in DRS-3-Connaisseur-Sendungen und ist der Inbegriff des Kulthits. Das will etwas heissen, denn inzwischen gilt alles als Kult, was im Ruch steht, etwas mehr Seele zu haben als der übliche Kulturschrott. Kultfilm! Kultautor! Und jetzt diese Swiss-Kult-Hits, die der Ethnologe und «Urmusig»-Regisseur Cyrill Schläpfer zusammengetragen hat. Die Songs reichen von Mani Matters Hemmige bis in die Neunzigerjahre mit Stiller Has’ Moudi oder Baby Jails Knaller Tubeltrophy. Der Hauptharst stammt aber aus den Achtzigerjahren -, als Ruth Metzler sich dem Sport verschrieb, und die Schreibkraft verkifft an Konzerten rumdümpelte. Im Zürcher Sexkino Walche etwa, wo Stephan Eichers Band den wegweisenden, monotonen und technoiden Neue-Deutsche-Welle-Hit Eisbär zum Besten gab und sich dabei der Jugendbewegungsmetaphorik von der «Packeisschweiz» bediente: «Ich möchte ein Eisbär sein; im kalten Polar. Dann müsste ich nicht mehr schrein, alles wär so klar.» 1982 legte der junge, der vorromantische Eicher solo mit dem Feger Toutes les Filles de Limmatquai (Regarder mais pas toucher) nach. Das gehört ebenso zu den Perlen heimischen Popschaffens wie die Young Gods mit Did you miss me, das 1985 schwer und heavy über alternative Tanzflächen hämmerte, gefolgt vom kulturpessimistischen Indie-Disco-Hit Automaten von Mittageisen: «Arbeit: Nur für Automaten. Leben in schwierigen Zeiten. Ordnungen lösen sich auf.» Im Kopfhörer singt Willy Ritschard, der 64-er schwelgt in Vergangenheit und denkt über die Fährnisse des Lebens nach. Hätte jemand 1980 die 16-jährige Luzernerin Ruth an den Crazy-Gig im Stadtkeller genommen, sie wäre Zeugin geworden, wie die Lokalmatadoren punknotorische «Oh-oh-oh»-Dreiklangchörli und ein aggressives «De Danny isch nid andersch gsi, er isch nur än Schwulä gsi» gesungen hätten. Am nächsten Tag hätte sie in der LNN gelesen: «Krawall im Stadtkeller. Auf der Bühne ging der Crazy-Sänger mit Kritik an den Getränkepreisen auf Kollisionskurs.» Heute würde Ruth Metzler aufhorchen, wenn DRS 3 den rauhen, melodiösen Punk der Crazy-CD spielt, sie würde sich erinnern, wie stier die Schweiz damals war, als Getränkepreiskritik noch zum Krawall führte. Sie würde feststellen, dass der alte Sound heutigen Punks wie Green Day alleweil das Wasser reichen kann, und sich dann wieder den Akten widmen, weil Bundesrätin sein ja auch ziemlich cool ist. Ruth Metzler war nicht am Crazy-Gig und wird wohl nie verstehen, was in den Siebzigern und Achtzigern rauher Sound bedeutete. «Als Selbstfindung, als Trost in trostloser Kunstsinnigkeit, als jakobinische Himmelsleiter, als kleines, von imperialistischen Kulturrömern umgebenes gallisches Dorf bedeutete Rockmusik fast alles», schreibt der Autor Wolfgang Bortlik in «Wurst und Spiele». Der ungemein witzige, mit Wortspielen und Songzeilen gespickte Roman beschwört die Schweiz der tragischen Jungrebellen auf der Suche nach Sex, Drugs, Rock ’n’ Roll & einer Freundin herauf. Und dort benennt der «Schweizer Hornby» («Facts») abschliessend, was Jugend in den frühen Achtzigern ausmachte: «gute Konzerte, wilde Kunst, seltsame Filme, zusammen Herumsitzen ohne Konsumzwang.» Bortlik weiss, wovon er schreibt. Er war Spiritus Rector der Aarauer Szene, Herausgeber des Untergrundblattes «Alpenzeiger» und Trommler bei den Bermuda Idiots. Und deren CD «hit recordings 1980-1990» wiederum startet mit dem ungeheuer charmanten Ska «Sörfing hei», das den Zeitzeugen augenblicklich zurückverpflanzt, in eine Zeit, in der selbstgebastelt sehr gut kam, eine Leadsängerin noch besser, und Saxofon spielen überhaupt das Allergrösste war. Dann ist dem reminiszierenden 64-er etwas blümerant zu Mute. Was ist bloss geblieben? Dies: Die Frisur von Generationsgenossin Metzler, deren Gel-gestählte, rebellisch in die Stirn gezupfte Strähnen doch fadengerade aus den Achtzigerjahren in den Bundesrat hineinragen. Der Soundtrack: «Swiss Kult-Hits 1970-1996», CSR Records «CRAZY», (Bezug über mital-U) Bermuda Idiots, «hit recordings 1980-1990» (Bezug über Tel 062 7235639)
Das Buch zum Sound: |
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| Vergnüglich | |
| Hanspeter Eggenberger : Facts Nr.12/1999
Swiss Kult-Hits 1970-1996, CSR Records Keine Gotthard, kein Gölä, keine Sina. Von den aktuellen Hitparadenstürmern sind nur Züri West vertreten - mit ihrem Megahit „I schänke Dr mis Härz“. Für die CD „Swiss Kult-Hits“ haben die Produzenten Cyrill Schläpfer und Bruno Stettler 16 Aufnahmen zusammengetragen: Songs, die man immer wieder gerne hört, die aber teils nicht mehr oder nur schwierig zu finden sind. „Jeder Titel setzte - und setzt immer noch -, dank seiner innovativen Wirkung und der eigentlichen Vorreiterrolle, Massstäbe mit Bezug auf Musikstil, Trend und/oder Sprache“, schreiben die Herausgeber. Und versprechen damit nicht zu viel. Begleitet von einem informativen Booklet führt die musikalische Schweizer Reise von unvergessenen Klassikern wie Mani Matters „Hemmige“ - das Original aus dem Jahr 1970 -, „Campari Soda“ von der Gruppe Taxi, „Eisbär“ von Grauzone und „Les Filles du Limmatquai“ des jungen Stephan Eicher über ewige Ohrwürmer wie „Muhammar“ von Touch El Arab, „Did You Miss Me“ von den Young Gods, „Handtäschlifrau“ von der Gruppe Frostschutz und „Tubel Trophy“ von Baby Jail bis zu Spezialitäten wie „automaten“ von mittageisen und „Golden Telegramm“ von den Türen. Die Titel sind zwar nicht neu, frisch aber noch allemal. Der vergnügliche Streifzug durch die Schweizer Popgeschichte ist kein Nostalgie-Programm, sondern zeigt, dass die meisten dieser Songs noch heute radiotauglich sind. Und damit also immer noch das Zeug zum Hit haben. Zum Kulthit mindestens. |
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| Helvetische Pop-Perlen | |
| Tony Lauber : TR7 Nr.14/1999
Swiss Kult-Hits : Bekannte und heimliche Hits Ja es gibt sie, die heimlichen Klassiker der Schweizer Popmusik! Ein neuer CD-Sampler lädt zum Wiederhören mit Wegbereitern der aktuellen Szene ein. Für einmal hat sich CSR-Labelboss Cyrill Schläpfer, der erfolgreiche Vorreiter des Swiss-Ethno-Trends (Rees Gwerder, „Ur-Musig") nicht mit Schwyzerörgeli-Klängen und archaischem Brauchtum beschäftigt, sondern mit der einheimischen Rock-, Pop- und Mundartszene. Der soeben veröffentlichte CD-Sampler „Swiss Kult-Hits Vol. 1" vereint 16 Radio-DRS-Hits, die alle Popgeschichte geschrieben haben, ob sie nun den Anfang einer grossen Karriere markierten oder nie über Insiderstatus hinauskamen. Mit einer Ausnahme (Mani Matters „Hemmige", 1970) sind sie durchwegs neueren Datums. Noch in bester Erinnerung sind die Beiträge von Züri West („I schänke Dir mis Härz") und Stiller Has mit ihrem „Moudi". Unvergesslich natürlich auch der „Eisbär" (Grauzone) sowie „Tubel Trophy" (Baby Jail). Jeder Titel der stilistisch vielseitigen Zusammenstellung war bezüglich Stil oder Originalität wegweisend: Stephan Eichers Elektro-Pop-Frühwerk „Les filles du Limmatquai" klingt heute noch genauso frisch wie 1982. Zu den Höhepunkten dieser erstaunlichen Auswahl helvetischen Musikschaffens zählt sicher auch „Campari Soda" von 1977: Der unter dem Projektnamen Taxi vom Zürcher Multiinstrumentalisten Dominique Grandjean und zwei Freunden eingespielte Song entwickelte sich erst Jahre später vom Geheimtip zum regelrechten Radio-Hit! „Campari Soda", das ist eine sentimentale Chiffre" (Christian Seiler, „Weltwoche"). - Swiss Kult Hits" bietet Pop-Perlen, die uns träumen lassen. |
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| Swiss Kult-Hits | |
| Roland Metzger : Agenda 144, Mai 1999
Der Albumtitel lässt an sich nichts Gutes befürchten. Die Kompilation-Euphorie der Plattenfirmen hat in den letzten Jahren ja schon bedenkliche Tiefstwerte erreicht. Bei den Machern von „Swiss Kult-Hits 1970 - 1996“ handelt es sich aber glücklicherweise nicht um Produktemanager aus dem Bereich Special Marketing irgendeines Grosskonzerns. Hier kümmerten sich zwei Kenner, die schon lange dieser Materie verpflichtet sind, um das anspruchsvolle Projekt. Cyrill Schläpfer von CSR Records und der langjährige DJ und Selfmade-Mann Bruno „Brunello“ Stettler wählten die 16 Tracks sorgfältig aus. Dabei treffen sie mit ihrer Songauswahl praktisch immer ins Schwarze. Für alle ist hier der persönliche Kult Hit wieder zu hören. Welcher Swiss Waver hat nicht zu „automaten“ von mittageisen getanzt? Wer hat nicht schon in der Schule zusammen mit dem Lehrer „Hemmige“ von Mani Matter gesungen? Ist „Les Filles du Limmatquai“ nicht DER Song aus der Karriere des Stephan Eicher (oder ist es doch der „Eisbär“)? Und hat „Did You Miss Me“ der Young Gods 1987 nicht sogar die kühlen Engländer in Ekstase getrieben? Die Liste der Hits ist tatsächlich durchwegs bestechend und lädt zur Wiederentdeckung ein. Selbst wer diese prägenden Songs alle schon auf Platte hat, kann noch bei der Lektüre des informativen Booklets in der Vergangenheit schwelgen. Eigentlich fehlen nur Yello auf dieser Zusammenstellung, aber dafür ist wohl „Swiss Kult Hits - Volume 2“ gedacht... |
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