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Projekt Beschrieb: DIE WALDSTÄTTE

Der Vierwaldstättersee und seine 5 Dampfschiffe als symphonischer Klangkörper

Gewidmet an: Moby Dick

Die Töne und Klänge habe ich auf und in den Raddampfern während vielen Test- und Extrafahrten, sowie an verschiedenen Orten am Ufer des Vierwaldstättersees, im Raumtonverfahren (mit bis zu 4 Toningenieuren gleichzeitig), über und unter dem Wasserspiegel, aufgenommen.

Während Jahren habe ich jedes Detail der 5 rund hundertjährigen Dampfschiffe „URI“, „Unterwalden“, „Gallia“, „Schiller“ und „Stadt Luzern“, aber auch die kleinen Motorschiffe „Rütli“ und „Reuss“, aufgenommen; jedes Signal, jedes Horn, jede Schiffsglocke, jedes Kielwasser, jedes Dampfventil, jeden Kolbenpleuel, jedes Rattern und Scheppern, jedes Salon-Geräusch bei Volldampf auf See oder nachts im Schiffsrumpf in der Werft, jedes Glucksen im Ankerschacht, jede Hydraulikpumpe, jedes Schaufelrad, jeden Telegraphen, etc. Ich habe jedes Schiff chirurgisch auf See, mit und ohne Passagiere, in der Werft, im Sommer und im Winter, bis hin auch mit Unterwasser-Mikrophonen, aufgenommen.

Ich habe Aufnahmen an vielen Anlegestegen gemacht: Schiffsteg Stadt Luzern, Tribschen, Meggerhorn, Hertenstein, Küssnacht, dann im Urnersee: Rütli, Isleten, Bauen, Rotschuo und Tellskappelle, etc.,  und schliesslich auch vom Hotelzimmer (National am Quai), oben vom Dietschiberg oder vom gegenüber liegenden Berghang im Urnersee aus. An verschieden Orten und Jahreszeiten habe ich Ufer- und Wasseroberflächenambiences aufgenommen: Wind, Wellen, Wasservögel, Kirchenglocken am Ufer, Stadt- und Landgeräusche.

In mehrjähriger Arbeit habe ich im Tonstudio aus dieser Fülle von ca. 60 Stunden Aufnahmematerial vier 70-minütige Kapitel (CD’s resp. DVD’s) zusammen gefasst:

Die Studioarbeit ist abgeschlossen und die vier Kapitel sind je als Audio-DVD's (im 5.1 Dolby Surround 6-Kanal Tonformat) als auch als  Stereo-CD’s editiert.

Diesen Herbst werden die Tonträger auf dem Label TRUE TONE einzeln oder als Sammler 4er-CD- Box (inkl. Büchlein mit detaillierten Angaben und Fotos) mit dem Titel „Die Waldstätte“ veröffentlicht.

Hörproben

Das Tonwerk auf 4 Tonträgern

Kapitel 1        „Die Waldstätte“ (70’)

Das Hauptwerk als symphonische Komposition

Die ca. 8’000 einzelnen Soundclips sind in ca.  20’000 Überblendungen zu einer 70-minütigen Schiffskomposition verarbeitet.

Zum Beispiel stimmte resp. transponierte ich die Schiffshörner auf bestimmte Tonhöhen, um anschliessend aus den neuen Tönen musikalische Leitmotive zu komponieren. Dabei habe ich teilweise die naturalistischen Originaltöne der Schiffspfeifen und Maschinengeräusche in der Tonhöhen durch das pitch-shifting Verfahren (Tonhöhe-Variation) verfremdet und dadurch Harmonien erstellt, und neuartige gemorphte Tonskulpturen erfunden. Aus technischen Maschinen- und fliessenden Fahr- und Wassergeräuschen habe ich langsame Rhythmus-Schlaufen kreiert und durch die zusammengefügten Repetitionen der industrial-technoiden Dampfmaschinen ergeben sich sehr langsame Rhythmen welche den Takt dieses Musikwerkes bestimmen.

Die einzelnen Passagen habe ich in die musikalische Form des Arrangements gebracht. Entstanden ist eine Art melancholische Schiff-Symphonie in 9 Sätzen.

Kapitel 2        „An Bord – Am Ufer“ (75’)

Dampfern, Tuckern und Dahingleiten... auf dem Vierwaldstättersee, mit der Ambience des Sees und des Ufers: Wind, Wasser, Wellen, Kräuseln, Vögel, Insekten, Kirchenglocken, „Stadt-Luzern“ Geräusche, Schiffshörner von Nah und Fern. Mit dem Schiff über den ruhigen See gleiten: sanftes Tuckern, sprudelndes und gurgelndes Bugwasser, das Schlagen der Schaufelräder, das Knarren der Reeling, das Zirren der spannenden Drahtseile und das Knattern der dicken Hanfseile beim Anlegen am Schiffssteg, das harte Aufschlagen der metallenen Landungsbrücke und der Ketten .... Eine akustische Reise von Luzern nach Flüelen.

Kapitel 3        „5 Schiffe“ (75’)

Das detaillierte und realistische technisches Portrait der gesamten Dampfschiffflotte - in akustischer Form –15 Minuten Dauer je Dampfschiff: Uri, Unterwalden, Gallia, Schiller und Stadt Luzern.

Kapitel 4        „Das LEXIKON“ (80’)

Das komplette Dampfschiff-Tonarchiv

Dieser Tonträger enthält 99 dokumentierte und erklärende Indexes/Nummern mit sämtlichen spezifischen Originaltönen und Geräuschen der 5 Dampfschiffe  - Uri, Unterwalden, Gallia, Schiller und Stadt Luzern - , und der kleinen Motorschiffe: Rütli und Reuss.

Anmerkungen zu Kapitel 1:
Schläpfer verwendet in seiner nautischen Symphonie „Die Waldstätte“ brachiale und energiegeladene Töne, die er vorangehend aus dem kryptosonaren Frequenzspektrum (jener Zone, wo Infraschall- und Wasserdruckwellen aneinander prallen und sog.  hydromolekulare Cluster bilden) durch manuelles pitch-shifting in hörbare Audiofrequenzen transponierte. Beim Abspielen dieser Frequenzen auf den Lautsprechern Ihrer Heimstereo-Anlage können evtl. durch diese energiegeladenen tiefen Schallwellen Schäden enstehen.

Das Resultat ist ein Werk von leviathanischem Ausmass. Hörproben unter: http://www.csr-records.ch/hoerproben.html

In Planung: Die konzertante Aufführung der Symphonie „Die Waldstätte“

Bereits im Oktober 2001 beabsichtigte ich, die Uraufführung dieser Symphonie in Form einer elektro-akustischen Installation in der SGV-Werft in Luzern zu inszenieren - damals wurde die Gallia zur Generalrevision ins Trockendock der Werft hineingezogen.

Meine Vision/Idee ist heute noch dieselbe:

  •          Das "nasse und noch tropfende" Schiff in der riesigen Werfthalle
  •          Das Schiff "an Land" (!?!) und quasi als riesiges aufgebocktes Musikinstrument
  •          Das Publikum sitzt um, im, unter und auf Deck des Schiffes
  •          Die Symphonie als hyperqualitative Toninstallation
  •          Die Lautsprecher teilweise im Metalrumpf des Schiffes
  •          Die metallene Schiffsschale als riesiger Resonanzkörper und bis anhin ungehörte tiefe Frequenzen generierend
  •          Das Schiff in der Werft - aufgebockt - als Protagonist, die erste Geige spielend ...

Das Projekt kam leider nicht zustande, weil es zum damaligen Zeitpunkt einen Wechsel in der Direktion und im Verwaltungsrat der SGV gab.

Die Machbarkeitsstudien in technischer (nach Absprache mit den Werftmitarbeitern) und in finanzieller Sicht wurden bereits erarbeitet.

 

Seit einiger Zeit habe ich auch folgende Idee im Kopf und stelle mir Folgendes vor:

·         Das DS wird auf dem Trockendock-Schlitten vom See (Ost) her unter das riesige Vordach des KKL gezogen und dort aufgebockt verankert
·         Grosse schwarze Tücher, vom riesigen Vordach des KKL Daches herunter die 3 offenen Seiten mit verhüllend, bilden einen riesigen neuen Raum
·         darin aufgebockt das Ausstellungsobjekt: das Musikinstrument, der Resonanzkörper, das Kultobjekt, der Tourismus-Pionier, das "industrial landmark", das vollkommene Design
·         Das Dampfschiff an Land – dem „Symbol des Vierwaldstättersees“ – im Zusammenhang mit der Uraufführung der „Waldstätte Symphonie“,  generiert internationale Ausstrahlungskraft...

Zur Zeit ist ein Ausschnitt (der 9. Satz aus der Symphonie „Die Waldstätte“ als Klanginstallation im Rahmen der Ausstellung „Bilder vom Vierwaldstättersee“ im Kunsthaus Luzern zu hören.

Die Ton-Installation mit dem Titel: „Dampfschiff URI“ (15.Min. Dauer) wurde in Paris im November 2003 ausgestellt.

Am 13. und 17. September wird die ganze Komposition erstmals als Vorpremière in Form einer elektro-akustischen Konzert-Aufführung (Musique Concrète) zu hören sein.

DIE WALDSTÄTTE: Aufführung der Schiffs-Symphonie zusammen mit dem Original Dampfschiff

Folgende Ideen und Erkenntnisse haben mich zur Realisation dieser Tonproduktion und zum Aufführungsprojekt in Form einer konzertanten Klang-Installation / Symphonie inspiriert:

·         Ich habe während meinen Vierwaldstättersee-Aufnahmen festgestellt, dass die Schiffe, die Maschinen und das Wasser einen musikalischen Ausdruck haben. Diesen habe ich versucht, mit der Komposition herauszukristallisieren.
·         Die Dampfschiffe sind nicht Museumsstücke, sondern Zeitzeugen technischer Kultur. Sie „arbeiteten“ ihr ganzes „Leben“ lang, sie absolvierten Millionen von Seemeilen seit hundert Jahren. Sie sind ein bisschen alt und man kann ihr Gestöhn und Ächzen hören.
·         Analog einem „Stummfilm“, wo der Dialog fehlt, handelt es sich bei der Aufführung der  Komposition um einen „Blindfilm“: Die Tonspur (ohne Film) gewinnt als das bewegende, tragende Element enorme Ausdruckskraft.
·         Das Dampfschiff ist gleichzeitig Hauptdarsteller und Haupttonquelle des Klangspektakels. Das Schiff wird zum Musikinstrument, die metallene Schiffsschale zum riesigen Resonanzkörper...
·         Das Phänomen der „verkehrten Welt“: Ein Schiff an Land. Ein Schiff, das tonmässig in Bewegung ist, aber eigentlich stillsteht. Ein Schiff, das aus der „Unterwasser-Perspektive“ zu sehen ist. Wellen an der Decke...
·         Der Aufführungsort in der Werft mit dem Dampfschiff als “Erste Geige“ des Konzertes, als Diva der Schiffsoper, ist in dieser Form einzigartig.
·         Diese Präsentation soll auch eine Hommage an das Schweizerische Ingenieurwesen, das Schiffsbauwesen, die Maschinentechnik, Eisenbahn, Transportwesen, usw. sein....

Cyrill Schläpfer, September 2006
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